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Josi rettet einen wichtigen Punkt

Am Samstagnachmittag, 10. Februar 2024 duellierten sich die ersten Vier der Tabelle in der 1. Bundesliga Damen. „Klare Sache, das riecht förmlich nach zwei Unentschieden“, so jedenfalls die Prognose eines Kenners der Liga am Vormittag. Er sollte Recht behalten, doch bis es zu den Punkteteilungen in den Partien Berlin – Langstadt und Dachau – Weinheim kam, sollte eine Menge passieren. Alle vier Teams und natürlich auch die Fans bangten bis zum letzten Ballwechsel, für alle war es ein Wechselbad der Gefühle.
Tolle Matches, reichlich Spannung, hochklassiges Tischtennis: Einmal mehr definitiv eine Werbung für das Damen-Mannschaftstischtennis und die stärkste Liga Europas.

ttc berlin eastside – TSV Langstadt 5:5
14jährige Josi rettet wichtigen Punkt für eastside

Der Serienmeister ohne Nina Mittelham und Ding Yaping, jedoch mit Shan Xiaona, Britt Eerland, Sabina Surjan und Josi Neumann dennoch in einer guten, vielversprechenden Aufstellung. Langstadt, bis zum letzten Wochenende monatelang Tabellenführer, wie angekündigt in Bestbesetzung. Aus dieser personellen Konstellation konnte etwas werden – und das trat auch ein. Eine tolle Partie mit wechselnden Führungen und einer leistungsgerechten Punkteteilung am Ende.

Bei den Gästen wartete Cheng Hsien-Tzu mit einer Topleistung auf und konnte nicht nur Britt Eerland, sondern sogar Shan Xiaona bezwingen, die bekanntlich ganz selten mal ein Einzel in der Liga verliert – in der gesamten Saison 2022/23 inklusive Play-offs und Pokal war Berlins Penholder-Ass ein einziges Mal als Verliererin vom Tisch gegangen und beim diesjährigen Cup-Wettbewerb hatte sie auch geglänzt.

Dafür zeigte sich die 14-jährige Josi Neumann in Galaform und zudem ausgesprochen nervenstark. Schon beim 2:3 gegen Franziska Schreiner war das Nachwuchs-Ass des DTTB auf Augenhöhe, doch im entscheidenden Match, als es für ihr Team um den Punkt ging, wuchs Neumann über sich hinaus. Im fünften Satz wehrte der Tischtennis-Teenager zwei Matchbälle gegen Izabela Lupulesku, mit einer 15:3-Bilanz im hinteren Paarkreuz ins Match gegangen, ab, um dann ihrerseits den zweiten Matchball zum umjubelten 14:12 zu verwandeln.

Zuvor war natürlich auch schon eine Menge passiert. Zunächst die Doppel, da war der ttc eastside eindeutig obenauf. Britt Eerland/Shan Xiaona gaben sich beim 3:1 über Cheng Hsien-Tzu/Franziska Schreiner keine Blöße, während Sabina Surjan/Josi Neumann ihren Gegnerinnen Chantal Mantz/Izabela Lupulesku beim ungemein synchron wirkenden 11:9, 11:9, 11:9 nicht einen Satzgewinn gönnten.

Seit langem wieder einmal im Doppel Seit an Seit: Nana und Britt siegen relativ problemlos 3:1

Eingespieltes Younster-Duo beweist Nervenstärke: Mit 11:9, 11:9 und 11:9 bringen sie ihr Doppel nach Hause

 Erwartungsgemäß gab sich Shan Xiaona bei ihrem Debütmatch in der Liga gegen Chantal Mantz keine Blöße. Die Langstädterin schnappte sich zwar den ersten Satz nach 6:10-Rückstand noch mit 12:10, doch danach hatte Berlins Spitzenspielerin das Geschehen gut im Griff. Die gute Nachricht für die Gäste: Das lädierte Knie ihrer Nummer eins hielt. Die schlechte Nachricht: 0:3-Rückstand beim amtierenden Meister und Pokalsieger. Das klang nicht gerade vielversprechend und gab wenig Grund zum Optimismus.

 

War mit ihrer Leistung nicht zufrieden. „Das Spiel gegen Lilly hätte ich nie verlieren dürfen. Ich habe mich dafür bei der Mannschaft entschuldigt," so die niedergeschlagene Nana

Doch die Südhessinnen präsentierten sich ganz und gar nicht resignativ, sondern hellwach und schafften das Kunststück, vier Einzel in Folge zu gewinnen, was die Zuschauer in der Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz eher selten erleben. Cheng Hsien-Tzu zeigte beim 3:1 gegen Britt Eerland, dass mit ihr an diesem Tag unbedingt zu rechnen war. Izabela Lupulesku schlug, ebenfalls in vier Sätzen, mit viel Selbstvertrauen und dem Rückenwind ihrer Topbilanz Sabina Surjan. „Franzi“ Schreiner wollte da nicht nachstehen und holte den Punkt gegen Josi Neumann, die aber beim 2:3 bereits andeutete, das die Zeiten vorbei sind, in denen man sie mal so einfach im Vorübergehen besiegen konnte. Wer heute noch im hinteren Paarkreuz gegen Berlins „Nesthäkchen“ punkten will, muss schon Topleistungen abrufen.


Es folgte das dramatische Duell zwischen Shan Xiaona und Cheng Hsien-Tzu mit der Überraschungssiegerin aus Taiwan – 11:7, 5:11, 9:11, 12:10, 9:11, so das Ergebnis aus Sicht der deutschen Nationalspielerin. Hinzufügen muss man, das Shan im Entscheidungsdurchgang nach sieben Punkten in Folge zwischenzeitlich mit 9:4 geführt hatte, doch von da an nur noch ihre Gegnerin, ebenfalls siebenmal hintereinander, punktete, die vielleicht ihr bestes Spiel überhaupt im Dress des TSV Langstadt machte.

 

Britt Eerland stellte für den ttc eastside gegen Chantal Mantz den Ausgleich zum 4:4 her. Beim 3:1-Sieg der 29-jährigen Niederländerin waren die ersten beiden Sätze (jeweils 12:10) sehr umkämpft, der dritte ging an die Hessin, doch Eerland hatte in Durchgang vier klar die Nase vorn. Mantz‘ Knie war weiter den Umständen entsprechend okay und sie hatte ihrem Team geholfen, denn ohne ihr Mitwirken hätte Franziska Schreiner nicht im hinteren Paarkreuz aufschlagen können. Und die 22-jährige Aschaffenburgerin gewann dort auch ihr zweites Match. Nach überzeugender Leistung ließ sie Sabina Surjan beim 3:1 (11:7, 11:9, 3:11, 11:2) keine echte Chance. Doch es folgte die 30-Minuten-Gala von Josi Neumann, die die eastside-Fans für alles entschädigte. Fast vier Stunden packendes, teilweise dramatisches Toptischtennis, mehr konnte man nicht verlangen.

„Wir sind gerade noch einmal mit einem tief dunkelblauen Auge davon gekommen,“ kommentierte ein leicht angefressender eastside Präsident Alexander Teichmann. „Mit der 2:0 Führung nach den beiden Doppeln war durchaus mehr drin gewesen. Blickt man am Ende dieses Wochenendes auf die Tabelle, hätten wir mit einem durchaus möglichen Sieg einen sehr großen Schritt Richtung direkte Qualifikation für die Playoffs machen können. Jetzt müssen wir nach vorne schauen und alle müssen mit großer Konzentration in die noch ausstehende Spiele gehen.  Mich freut, dass uns Josi das Vertrauen, das wir in sie setzen, jetzt schon zurückzahlt. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In solchen Situationen zahlt es sich aus, dass Josi bereits viel Spielzeit in der Bundesliga gehabt hat und unter Druck bestehen kann."

Trainer-Legende Ulli Wegner verfolgte das TOP Spiel interessiert. Wegner hat in seiner Jugend selbst begeistert Tischtennis gespielt. „Alle Achtung, was die Damen hier zaubern. Dieses Tempo, die Reaktionsschnelle, unglaublich".



Beitrag: Dr. Stephan Roscher
Bilder: Lutz H. Barsch