Playoff Halbfinale
Der Traum ist Realität - im Finale fordert der TTC 1946 Weinheim unser Youngster-Team heraus
Im Rückspiel noch stärker - 6:2 in Dachau.
Die Meisterschaft war diese Saison mit dem jungen Berliner Team eigentlich gar nicht eingeplant, doch jetzt ist alles möglich, eben auch der elfte nationale Meistertitel seit 2014 für den Rekordchampion. Ende Juni wird man sich mit Weinheim um Deutschlands Thron duellieren, zum dritten Mal in drei Jahren – einen Favoriten gibt es definitiv nicht.
Vor rund 270 Zuschauern hatte Dachau dasselbe Quintett wie beim 4:6 im Hinspiel am Freitag aufgeboten, nur dass diesmal die junge Koharu Itagaki auch im Einzel gesetzt war, während Naomi Pranjkovic lediglich im Doppel an den Tisch ging. Die Hauptstädterinnen, die in vier Tagen ihr Final-Hinspiel in Europas Königsklase gegen Metz austragen, waren, wie zuletzt immer, mit dem Quartett Yuka Kaneyoshi, Sabina Surjan, Mia Griesel und Josi Neumann am Start. Sie demonstrierten eindrucksvoll, dass die letzten Erfolge dem Selbstbewusstsein der Spielerinnen richtig gutgetan haben.
Die Doppel verliefen im Prinzip wie im Hinspiel. Sabina Surjan/Josi Neumann bezwangen Sabine Winter und Naomi Pranjkovic mit 3:1, Byun Seoyoung/Koharu Itagaki machten es diesmal gegen Yuka Kaneyoshi/Mia Griesel einen Tick deutlich als am Freitag und gaben lediglich den ersten Satz ab.
Wer würde zuerst ein Break schaffen? Sabina Surjan schon mal nicht, die immer noch angeschlagen war und auf Anraten des Arztes erneut das Match gegen „Gummiwand“ Seoyoung Byun abschenkte. Wohl aber Yuka Kaneyoshi. Zweimal hatte die 18-jährige japanische Abwehrspielerin bereits gegen Sabine Winter gespielt, einmal gegen Ende der Punktrunde sowie im Halbfinal-Hinspiel. Eine greifbare Chance besaß sie nie, da Winter einfach zu gut gegen Abwehr spielt und schon instinktiv fast alles richtig macht. Auch diesmal schien sich das fortzusetzen. Der erste Satz ging mit 11:6 an die erfahrene Dachauerin. Doch dann ließ Kaneyoshi erstmals aufhorchen, agierte plötzlich taktisch stark verbessert und gewann mit 11:8 den ersten Satz ihres Lebens gegen die deutsche Nationalspielerin. Das ließ Winter nicht auf sich sitzen und schnappte sich Durchgang drei deutlich mit 11:4. Doch das Match kippte. Auf einmal lief alles für das junge eastside-Ass, während Winter zusehends nervös wurde. Kaneyoshi gewann die Durchgänge vier und fünf jeweils mit 11:7 und ließ die Berliner Bank jubeln.
Ein echter Paukenschlag – und von diesem erholte sich der Gastgeber nicht mehr, was aber nicht bedeutet, dass Dachau nun schwach gespielt hätte, es war einfach auch der hohen Qualität der nachfolgenden Auftritte der Hauptstädterinnen geschuldet.
So knüpfte Josi Neumann an ihre starken Leistungen vom Freitag an und ließ ihrer gleichaltrigen Jugendnationalmannschafts-Kollegin Koharu Itagaki nicht einen Satz, wenngleich es beim 11:9, 11:9, 12:10 schon ziemlich eng zuging. Und dann hatte der ttc eastside an Position drei ja auch noch eine Mia Griesel – und die ließ beim 3:1 über Tin-Tin Ho auch diesmal nichts anbrennen. 4:2 für die Gäste, die von maximal noch vier möglichen Matches nur noch ein einziges gewinnen mussten, um am Ziel zu sein.
Yuka Kaneyoshi ließ sich nicht zweimal bitten und ließ auch beim dritten Aufeinandertreffen mit Defensivkollegin Byun Seoyoung binnen drei Monaten keine Fragen offen (11.5, 11:6, 11:6). Man hat selten eine Abwehrspielerin gesehen, die die an sich gefürchteten Duelle gegen starke Gegnerinnen mit ganz ähnlichem Spielsystem derart selbstbewusst und taktisch versiert angeht – und das mit 18 Jahren. „Byun wollte heute ein Zeitspiel vermeiden und hat permanent versucht anzugreifen, was aber keine gute Taktik war“, meinte Berlins Manager Andreas Hain nach dem entscheidenden Match. Ihm konnte es jedenfalls recht sein.
Am Ende hieß es dann 6:2 für die Gäste. Sabine Winter hatte die ersten beiden Durchgänge mit jeweils 16:14 (!) gegen Sabina Surjan gewonnen, gab dann aber auf, als eastside am Nebentisch den fünften Punkt eingesackt hatte.
Text: Dr. Stephan Roscher
eastside schlägt Dachau in einem Wahnsinns-Match 6:4
Der Traum von Finale lebt weiter
Mia, Sabina, Yuka und Josi genießen den Moment.
Mit einer phantastischen Mannschaftleistung haben die „Phanta Vier“ die favorisierten Dachauerinnen in einem Dreieinhalbstundenkrimi niedergerungen.
Die Grundlage des Erfolgs legten Mia und Josi, die im hinteren Paarkreuz vier von vier möglichen Punkten holten.
Zu Beginn der Partie konnten ausgerechnet die beiden lädierten Spielerinnen Josi und Sabina mit ihrem Erfolg im Doppel der ersten Punkt für das Hauptstatteam holen und damit den Grundstein für den späteren Erfolg legen.
„Im HInblick auf das bevorstehende Champions League Finale und auf Anraten unseres Arztes haben wir Sabina aus dem Match gegen das Abwehrass Byun genommen. Die Belastung und das Risiko wären zu groß gewesen“, erläutert eastside Manager Andreas Hain.
Sabine Winter performte auch in Berlin auf Topniveau und lies Yuka, und später Sabina keine Chance - und so ging es mit 1:3 in die Pause.
Aber dann kamen Mia und Josi und sorgten für den 3:3 Gleichstand. Besonders Josi bewies im Match gegen Ho Tin-Tin ihr Können und ihre Nervenstärke als sie einen 4:9 Rückstand in einen Satzgewinn umdrehte. Der TT-DOME in Berlin stand Kopft!
Die beiden Defensivkünstlerinnen Yuka und Byun boten den 130 Zuschauenden mit einem Zeitspiel ein besonderes Spektakel, das die 18jährige eastsiderin für sich entschied.
Mit 4:4 ging es in die letzten Einzel des Abends. Und wieder kamen Mia und Josi … der Rest ist Geschichte.
„Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Am Vormittag war unsere Stimmung im Keller. Alle sind heute Abend über sich hinausgewachsen und haben den Fans ein spektakuläres Match geboten an dem die Dachauerinnen großen Anteil hatten. Im Moment sind wir alle „happy“. Natürlich wissen wir, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Die Entscheidung fällt in Dachau. Alles ist offen - mit einem kleinen Vorteil für uns. Wir werden alles daran setzen, diesen Vorteil zu unseren Gunsten zu nutzen,“ so der verhalten optimistische Präsident des ttc berlin eastside Alexander Teichmann.
Der Kampf um die Deutsche Meisterschaft geht weiter
30. Mai 2025 · 18:30 Uhr
Playoff Halbfinale
ttc berlin eastside vs. TSV Dachau 65
„Sekt oder Selters“, unter diesem Motto steht für unser Team das bevorstehende Playoff-Halbfinal-Wochenende gegen den TSV Dachau 65. Am späten Sonntag-Nachmittag werden wir wissen, ob unserer jungen Mannschaft die Sensation gelungen ist und gegen den hoch favorisierten TSV Dachau den Sprung ins Finale geschafft hat.
Die Grundlage wollen Yuka Kaneyoshi, Sabina Surjan, Mia Griesel und Josi Neumann am Freitagabend, 30. Mai, im heimischen TT-DOME Heyse25 legen.
Yuka Kaneyoshi will auch gegen die starken Dachauerinnen ihren Beitrag zu einem guten eastside-Ergebnis liefern. „Sabine und Byun spielen sehr gut gegen Abwehr. Da werde ich mir wohl etwas einfallen lassen müssen,“ so Yuka. Der TSV Dachau hat sich in dieser Saison zu einem Spitzenteam der Damen-Bundesliga entwickelt und seine bisher beste Punktrunde gespielt, die man hochverdient auf dem zweiten Platz, zwei Zähler hinter Weinheim, abschloss. In der Rückrundentabelle war man, gemeinsam mit dem bayerische Rivalen Kolbermoor, sogar ganz oben platziert und schnitt besser als Weinheim ab. Somit hat man sich erstmals direkt für die Halbfinals qualifiziert und brennt nun auf den ersten Einsatz seit dem 9. März.
Auf der Spitzenposition schlägt die 22-jährige Abwehrstrategin Byun Seoyoung auf – die Südkoreanerin hat nur eine einzige Partie in der gesamten Runde versäumt und punktete konstant für ihr Team. Zudem harmoniert Byuns Doppel mit der 15-jährigen Koharu Itagaki prächtig (7:1). Die Nummer zwei ist Dauerbrennerin Sabine Winter, die nur eine Partie mehr verloren hat als ihre koreanische Kollegin und die von den meisten nicht erwartete Umstellung auf einen Antitop-Belag auf der Rückhand zu Beginn der Saison überraschend gut und schnell gemeistert hat. Koharu Itagaki hat auf Anhieb ausgeglichen gespielt, sie hatte in der Saison 2023/24 im Jenaer Dress bereits gute Ansätze gezeigt und sich nun weiter verbessert. Die 26-jährige Penholder-Engländerin Tin-Tin Ho sowie die 20 Jahre alte Rosenheimerin Naomi Pranjkovic komplettieren das Dachauer Team und garantieren dafür, dass der TSV auf allen Positionen gut besetzt ist.
eastside voll auf Kurs
Mit der inzwischen 19-jährigen Mia Griesel hatte man ein Toptalent des DTTB an Bord geholt, das sich im Oberhaus rasant weiterentwickelte und sogar im Spitzenpaarkreuz absolut konkurrenzfähig ist, ebenso wie in der Champions League. Auch wenn man nur auf Platz sechs ins Ziel einlief, war man gegen Ende der Runde richtig gut, wozu auch Yuka Kaneyoshi einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leistete. Die 18-jährige Defensivkünstlerin fügte sich auf Anhieb perfekt in das Team ein und bereicherte es durch ein extrem hohes spielerisches Niveau. 5:1 in der Runde, 4:0 in den Viertelfinal-Play-offs, in denen man sich mit 5:5 und 6:2 gegen die starke Truppe aus Kolbermoor durchsetzte. Eine 9:1-Bilanz in den zehn Wochen, die Kaneyoshi in Berlin weilt, und dabei bereits fast alle Topspielerinnen der Liga geschlagen – eine ungemein starke Visitenkarte der jungen Japanerin. Man muss den eastside-Verantwortlichen lassen, dass sie mit den Verpflichtungen von Griesel und Kaneyoshi ein sehr gutes Händchen hatten.
Kaneyoshi und Sabina Surjan an Position zwei, das ist die normale Aufstellung der Hauptstädterinnen im vorderen Paarkreuz, was zur Folge hat, dass Griesel hinten aufschlagen kann, gemeinsam mit der 15-jährigen Josi Neumann, die sich längst in der deutschen Eliteliga akklimatisiert hat – dieses Quartett besitzt großes Potenzial und ist gegen keinen Bundesligarivalen chancenlos. Für die Partien gegen Dachau ist der Einsatz von Surjan allerdings noch nicht sicher, die leicht verletzt von der WM zurückgekehrt ist. „Wir freuen uns auf die Play-off-Halbfinalspiele gegen Dachau“, so eastside-Manager Andreas Hain. „Wir haben uns gegen Kolbermoor schon auf Augenhöhe gezeigt, doch Dachau ist eigentlich deutlich stärker und aus unserer Sicht die derzeit beste Mannschaft in der Bundesliga. Trotzdem werden unsere jungen Spielerinnen alles geben und versuchen, Dachau zu ärgern. Wir hoffen, dass wir einigermaßen mithalten können und schauen dann mal, was passiert.“ Unklar sei, ob Surjan spielen werde: „Wir haben mit Verletzungssorgen zu kämpfen, Sabina kam angeschlagen von der WM zurück und man wird sehen, ob sie spielen kann. Da bei uns der ganze Fokus auf die anstehenden Finalspiele in der Champions League liegt, werden wir sicherlich kein Risiko eingehen und sie wird nur spielen, wenn sie auch fit ist.“



